Montag, 30. März 2015

Ganz der Papa

Grrrr - Zeitumstellung
Ach wie schön, irgendjemand hat mal wieder beschlossen, dass es Zeit ist, schlaflose Eltern zu ärgern und die Uhr eine Stunde vorzustellen. Habe mir kurzzeitig überlegt, dieses Mal einfach nicht mitzumachen. Leider hatte ich die Rechnung ohne meinen Funkwecker, mein Handy, mein iPad - und was sich sonst noch so von Geisterhand umstellt - gemacht. Nach einem Blick aus dem Fenster ins herbstliche Grau denke ich mir: Ach egal, nehmen wir das eben auch noch mit... und wenden uns einem Thema zu, über das sogar Menschen ohne Nachwuchs gerne und ausführlich diskutieren. Die Familienähnlichkeit. Ausgerufen hat das Thema übrigens Mama on the Rocks in ihrer aktuellen Blogparade "Was wir unseren Kindern vererben".

Auf die Palme

"Die Maus hat eine geringe Frustrationstoleranz", hieß es letztens im Kita-Elterngespräch. "Aber das lernt sie noch!!" - "Vielleicht auch nicht", unkte mein Mann und warf mir breit grinsend so vielsagende Blicke zu, dass die Erzieherin unauffällig einen Vermerk in der Akte machte. Ja, die Palme, auf die ich des Öfteren klettere, ist quasi mein einziges Workoutinstrument und meine Ungeduld die einzige energetische Äußerung, während mein Hintern immer breiter wird. Typisch rothaarig halt, wie es das Klischee so will. Geerbt habe ich diesen Charakterzug allerdings nicht von meiner rothaarigen Mutter, sondern von meinem Vater - nicht nur optisch eher so der Robert de Niro-Typ.

Im übrigen ist auch die Maus so weit vom roten Haar entfernt, wie man das eben sein kann, mit einem arabischen Großvater. "Da kommen schwarze Locken", sprach die Hebamme schon bei der Entbindung und beendete damit jegliche Spekulation. Nicht, dass ich ihr das rote Haar nicht gerne vererbt hätte. Auch wenn ich jeden einzelnen Spruch zu dem Thema kenne und sich schon meine Oma mit ihrer "roten Krause" einiges anhören durfte, liebe ich ihn doch, meinen Kupferkopf. Immerhin das einzige, was sich bisher jeglichen Alterserscheinungen entzieht.

Haarvergleich
Was ich Töchterlein dann aber doch mitgegeben habe, sind die schneewittchenweiße Haut und die braungrünen Augen. Vom Papa dagegen kommen die Wimpern (Yeah!!) ellenlang, schwarz und gebogen. Außerdem die Lippen (voll), die Größe (ihre gleichaltige Freundin feiert nach Ostern ihre Ein-Meter-Party, während sie schon an der 1,10 kratzt) und die Zehen. Alles andere wird sich zeigen, schließlich verändern sich die Kleinen ja noch stündlich. Derzeit erkennt Oma 1 ihre eigene Nase wieder, während Oma 2 die langen schlanken Finger der Familie mütterlicherseits zuordnet. Einer ist es derzeit noch völlig wurst, und das ist die Maus selber.

Ganz der Papa

Sie sitzt gerade am Küchentisch und will "keinen Käse" (Papa), danach will sie basteln (Mama) und Bücher lesen (Mama) und zwar SUBITO!! (MAMA). Außerdem hat sie täglich den Wunsch auf der Sofalehne zu balancieren, in die Luft geworfen zu werden und mit dem Ball eine Blumenvase abzuschießen (alles Papa), bevor sie sich eine Stunde lang ruhig und alleine mit ihrem Kinderbauernhof beschäftigt (auch Papa) und sich dabei selbst Geschichten erzählt (Mama) von Hunden (Mama, Papa) und Katzen (Papa) und Pferden (Onkel), die sie liebt.

Wenn dann nachher Besuch kommt, wird sie eine Stunde lang schüchtern sein und nicht sprechen (Mama und Papa) und danach wild aufdrehen (Tante und Onkel). Sie wird sich ein Prinzessinnenkleid überwerfen und sich Glitzerspängchen ins Haar machen lassen und auf die Frage, was sie sich denn vom Osterhasen wünscht "Barbie" antworten (meine beste Freundin aus Kindertagen? Ach so nee...). Aber von uns hat sie das jedenfalls nicht. Die Tante hat ihren Barbies früher den Kopf abgedreht und mir ist dazu noch nicht mal das eingefallen. Hmmm - muss doch noch mal meinem Mann auf den Zahn fühlen... A propos, die Zähne hat sie ganz doll hoffentlich auch von ihm!!

Kaffeesatz!

Familienähnlichkeiten
So viel Spaß es auch macht, nach Ähnlichkeiten zu gucken und so praktisch es auch ist, schlechte Eigenschaften mal eben dem anderen Familienzweig zuzuschieben: Laut Google ist das alles nicht viel mehr als Kaffeesatzleserei.

Es gibt nämlich - wie immer - eine Studie aus den USA, die festgestellt hat, dass es echt schwer ist, Menschen anhand ihrer optischen Merkmale den Eltern zuzuordnen. Dafür ist das Gen-Lotto einfach zu unberechenbar und außerdem liegen ja nicht nur Kugeln von PapaMamaOmaOpa drin, sondern auch vom Urururururgroßvater mütterlicherseits, der laut Ahnentafel Freiheitskämpfer in Südtirol war, sowie vom Urururuururirgendwasvater väterlicherseits, der zur Leibwache Mohammeds gehörte. Hmm, grade erscheint mir der ein oder andere Trotzanfall doch in anderem Lichte.

Übrigens, wer will, dass sich das künsterliche Talent von Tante Elfriede weitervererbt, der berufliche Ehrgeiz von Ururopa Karl und das engelgleiche Wesen von Tante Angela, sollte es seinem Kind nur lange genug einreden. Oder man lässt es einfach sein, wie es ist.

Grüßle! Eure Nachbarin

Donnerstag, 26. März 2015

Das Ostergeschenk

Kleine Kinder entwickeln sich manchmal überschallartig. Noch im August schrieb ich darüber, dass unsere Maus offensichtlich wunschlos glücklich ist und selbst in der Kaufhof-Spielwaren-Abteilung lieber Rolltreppe fährt, als sich ein Geschenk auszusuchen. Im September kam sie dann in die neue Kita-Gruppe. Die mit den großen Mädchen und ihren Barbies, Eisköniginnen und Einhörnern. Als meine Dreijährige zum ersten Mal nach Hause kam und sagte „Ich will eine Monster High!“ wusste ich: Eine Ära geht zu Ende UND ich bin noch nicht so weit!!

Was das Ganze mit Ostern zu tun hat und ob ich am Ende doch so weit bin, erfahrt ihr auf dem GALERIA-Blog.

Montag, 23. März 2015

Liebster Blog Award

liebster-award1Wunder gibt es immer wieder und vor ein paar Tagen ereilte mich ein schönes, in Form des "Liebster Awards", der neue Blogs unters interessierte Volk bringen soll. Ganz herzlichen Dank an Wundermama, die auf ihrem Blog Wundermädchen über das Leben mit ihren Zwillingsbabys bloggt. Sie hat mir elf Fragen dagelassen, die ich gerne beantworte. Aber erst zu den Spielregeln, denn so sind die Spielregeln ;-)


  1. Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel.
  2. Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
  3. Nominiere 11 weitere Blogger mit weniger als 1.000 Followern für den Liebster Award.
  4. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  5. Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.
  6. Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

 

Und hier meine Antworten...

wie üblich, kaum durchdacht, durch den Hinterkopf ins Knie...

Was ist das Besondere an deinem (Eltern-)Blog?

Wahrscheinlich, dass nicht ich ihn schreibe, sondern mein frecheres, mutigeres und humorvolleres Alter Ego "Die Nachbarin". Manchmal fühle ich mich dominiert, aber es geht schon...

Auf welchen deiner Texte bist du besonders stolz?

Stolz ist vielleicht das falsche Wort, aber ich liebe sie alle, weil sie mich dazu bringen, das Leben lockerer zu nehmen und mehr über mich selbst zu lachen. Naja, zumindest im Nachhinein ;-)

Schreibst du deine Texte überwiegend am PC, auf dem Smartphone oder wie sonst?

Mein Patenkind (oh mein Gott, sie ist schon 14) kriegt einen Kollaps, wenn sie mich eine Whatsapp tippen sieht, so mit angefeuchtetem Zeigefingerchen auf der kurzsichtigen Suche nach dem richtigen Buchstaben. Nee, nee, ohne ordentliche Tastatur und nem Bildschirm auf Augenhöhe geht da nix.

Was denkst du, wird dein Kind zu deinem Blog sagen, wenn es ihn später liest?

"Ich mach jetzt mal 'ne Therapie!"

Was bringt dich so richtig auf die Palme?

Da: http://dienachbarin.blogspot.de/2014/09/die-felge.html

In welche Richtung soll sich dein Blog weiterentwickeln? Hast du Ziele?

Je mehr Leute, über mich lachen, desto mehr freue ich mich :-)
 
Welche Social Media Kanäle nutzt du wie stark?

Derzeit nur Facebook und Twitter und beides auch nur in der Lightversion, weil ich zu mehr einfach nicht komme. 

Wer in deinem persönlichen Umfeld weiß von deinem Blog?

Familie - auch die entferntere, Freunde, Bekannte.

Was ist für dich das Tolle am Bloggen? Woran hast du besonders viel Spaß?

Ich liebe es einfach, frei Schnauze losschreiben zu können und mit Sprache zu spielen, wie es mir gerade in den Sinn kommt. Ohne Recherche, Autorisierung und ohne Fristen, die zu meinem Beruf als Journalistin gehören.

Worüber hast du dich heute gewundert?

Darüber, dass beim Kuchenbuffet des Kinderbasars noch fast alle Stücke dieser endleckeren Erdnuss-Karamel-Toffee-Baiser-Sahne-Wasauchimmer-Cremetorte da waren. (Mittlerweile habe ich sie gegessen und wundere mich nicht mehr).

Was wird dein Highlight in 2015?

Das erzähle ich Euch dann an Silvester.


Und hier die Nominierten...

Ein paar herrliche Blogs, die Eure Aufmerksamkeit verdient haben.

Makellosmag

Sonea Sonnenschein

Feiersun

Fo(u)r travelers

EinBisschenHaushalt

Frau Müller

Frauen und Kinder zuerst

Frühlingsmama

Zwergenzimmerchen

Mamischnack

Glucke und so


Und hier die Fragen...

Dies ist eine Einladung zum Mitmachen, die ihr natürlich ausschlagen dürft. Oder aber ihr beantwortet mir den folgenden neugierigen Mix aus persönlichen und blogbezogenen Fragen.
  1. Wie bist du zum Bloggen gekommen?
  2. Ostern oder Weihnachten?
  3. Worüber bloggst du am liebsten?
  4. Helene Fischer oder Rammstein?
  5. An wen richtet sich dein Blog?
  6. Bauernhofurlaub oder Kiten am Meer?
  7. Wie gewinnst du neue Leser?  
  8. Kochsession oder Pizzablitz?
  9. Über welche drei Dinge würdest du niemals bloggen?
  10. Was machst du, wenn du eine Stunde nur für dich hast?
  11. Hat der Blog dein Leben verändert? 
Herzliche Frühlingsgrüße,

Eure Nachbarin

Freitag, 20. März 2015

Rotkäppchen im Düsterwald

Finsternis
Hey, heute ist Sonnenfinsternis! Ich seh ja nur Wolken. Ist aber auch besser so, habe eh keine Schutzbrille. Die Finsternis ereilte mich übrigens auch vergangene Woche - auf dem Weg zum Nähkurs. Ich habe es jetzt verarbeitet und bin bereit darüber zu schreiben. Puh!

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne mal kreativ bin: Malen, Basteln, Dekorieren – zur Freude meines Mannes. Kürzlich gestalteten meine Tochter und ich hingebungsvoll Glitzereier und platzierten sie in einem Einmachglas. Die Maus fragte: „Und, wo kommt das jetzt hin?“ „Ins Treppenhaus.“ „Ah! Damit der Papa das nicht sieht!“ Weitsichtig sind sie, die Kleinen.

Glitzereier-Deko im Treppenhaus
Mit der gleichen Begeisterung würde ich gerne Nähen, Stricken und Häkeln. Allein mir fehlt das Garn, äh Gen. Sobald ich versuche, etwas aus Wolle oder Jersey herzustellen, scheitere ich an meinen linken Händen. Das hält mich allerdings keineswegs davon ab, es hin und wieder zu versuchen. So wie letzte Woche, als ich einen Nähkurs bei Celia besuchte. Hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen…

Auf nach Mittelerde

Als ich mir bei Google die Wegbeschreibung anschaute, war ich kurz davor, die Sache abzublasen. „Wo is dat???“ fragte ich meinen Mann und wies anklagend auf das Satellitenbild, das drei Häuslein inmitten von nichts zeigte. „Das? Das ist Mittelerde, glaube ich. Du weißt schon, da wo die Elben und die Hobbits leben.“ „Ja, und die Trolle“, dachte ich im Stillen und wollte gerade zum Handy greifen, um mit einer Ausrede mein Fernbleiben zu erklären, da sagte mein Mann: „Und du traust dich sicher nicht, alleine im Dunkeln da hin zu fahren.“

 „Pffffffft!“ So ein Quatsch!!! „Ich bin groß, ich bin stark, ich bin mutig“, murmelte ich abends darauf das Mantra meiner Tochter vor mich hin, während ich die Nähmaschine in den Kofferraum wuchtete. Natürlich mal wieder viel zu spät dran, nachdem die Maus zum Abschied mein Nähset inklusive 15 Stecknadeln, 20 Garnrollen, einem Auftrenner, 30 Knöpfen usw. usf. auf den Boden gepfeffert hatte. Mit zitternden Fingern fütterte ich mein Smartphone-Navi. Ort, Straße und… „Zu dieser Straße sind keine Hausnummern bekannt.“ Okay, auch gut, meine Orientierung ist ja phänomenal! Es sollte schlimmer kommen, als gedacht!

Your GPS is out of order

Ich hatte also noch 20 Minuten Zeit, um eine 30-Minuten-Strecke zurückzulegen und düste los, bis ich vor unserer Dorfbahnschranke zu einem abrupten Halt kam. Mist! Warten zwecklos, also Wenden in 35 Zügen und ab über die Umgehungsstraße. Ich fuhr die Serpentinen ins dunkle Siebengebirge hinauf und versuchte meinen Puls in den Griff zu kriegen. Einzelne Schilder, die hier und da vor kreuzenden Wildscheinen warnten, trugen nicht gerade zu meiner Entspannung bei.

Rotkäppchen und die Vollsperrung

Oben angekommen ging es ab des Weges in die Büsche. Ich fühlte mich ein bisschen wie Rotkäppchen, das sich gleich dem bösen Wolf stellen muss, konnte aber auch nicht umhin, den glitzernden Sternenhimmel zwischen den Tannenwipfeln zu bewundern, der hier oben seinen Namen noch verdient. „Von draus vom Walde komme ich her…“ rezitierte ich, während ich den Anweisungen meines Navis folgte, nur um kurz darauf vor einer vollgesperrten Straße zu stranden.

„ÄÄÄÄhhhh!“ machte ich angesichts der rotweißen Blockade ohne Umleitungshinweis und der gnadenlos tickenden Uhr (noch fünf Minuten Zeit, um pünktlich zu kommen) und fuhr zurück auf die Landstraße. Direkt hinter einen riesigen Trecker, der genau das fuhr, was hinten angegeben war, nämlich 20. Während ich also in gefühlter Schrittgeschwindigkeit durch den Wald schneckte und überlegte, wann der Fuchs hier wohl dem Hasen gute Nacht sagt, meldete sich mein Handy wieder und bedeutet mir unmissverständlich „scharf links“ abzubiegen.

„Ah, eine Abkürzung“, frohlockte ich mit Blick auf das Schild ‚Landwirtschaftlicher Nutzweg‘ und fuhr (geistig) umnachtet in den Wald. Aus dem asphaltierten Weg wurde ein Schotterweg, aus dem Schotterweg ein Waldbodenweg. Die Bäume rückten näher, meine Scheinwerfer leuchteten keine zwei Meter ins undurchdringliche Dunkel. Gerade als ich anfing meine jüngsten Entscheidungen zu hinterfragen, tauchte rechter Hand ein Pferdehof mit ein paar funzeligen Gaslaternen auf. Nebelschwaden waberten um das große Haus herum. Ein Pferd mit kopflosem Reiter galoppierte an mir vorbei. (Vielleicht habe ich mir letzteres auch nur eingebildet)

Das Ende

Jedenfalls tat ich in dem Moment das einzige, was ein vernünftiger Mensch tun würde: Aufs Gas und ab, tiefer in den Wald. Weit kam ich nicht mehr. In dem Moment als das Navi „Scharf rechts abbiegen“, sagte, musste ich feststellen, dass die Reise zu Ende war: Der Weg mündete in eine marode Holzbrücke – für Fußgänger. Der Waldweg war hier fast nur noch ein Pfad. Keine Wendemöglichkeit! Panisch wollte ich meinen Mann anrufen, um ein Wehklagen anzustimmen und ihn dazu zu bringen, sich mit seinem GPS-Gerät ins Taxi zu setzen und mich zu holen. Allein, ich hatte kein Netz.

Im Düsterwald

Um mich herum nur Dunkelheit und absolute Stille. Obwohl, was waren das für Geräusche… Kennt jemand Blair Witch Project? „ARGH!!! Warum habe ich mir diese Filme jemals angesehen???“, schrie ich mich selbst an, legte den Rückwärtsgang ein und trat die Flucht nach hinten an. Leute, ich habe es geschafft, aus diesem Wald rauszukommen, ohne vom kopflosen Reiter gekillt oder von der Hexe in den Wahnsinn getrieben zu werden und zwar ab dem Moment, als ich auf meinen inneren Kompass gehört habe und nicht mehr aufs Navi.

Beim Rausfahren habe ich noch beinahe Fuchs und Hase umgenietet, die auf dem Weg eine Polka tanzten. „Ey, ihr Viehzeugs, ihr sollt schlafen“, rief ich, ganz Muttertier. Schweißgebadet kam ich keine zwei Minuten später bei der Nähstube an. Die Navi-App, sie heißt übrigens Scout, hatte noch die Stirn zu fragen „Wie war ich?“ Seitdem ist ein Kratzer im Display. Aber nur ein kleiner.

PS: Weniger Glück hatte übrigens ein LKW-Fahrer, der dieser Tage gar nicht weit entfernt in die gleiche Situation geriet: http://www.general-anzeiger-bonn.de/region/rhein-sieg-kreis/ruppichteroth/Laster-steckt-im-Wald-fest-article1592892.html

Mittwoch, 11. März 2015

Frühjahrsmüdigkeit

My bed is my castle
Ich weiß nicht, ob es am Frühlingslicht liegt (hat Vitamin D Nebenwirkungen?) oder am Vollmond. Jedenfalls erwachen wir im Moment früh. Viel früher als sonst. Man könnte auch sagen ZU früh, also VOR den Vögeln und VOR der Kirchenglocke. Mal um drei, mal um fünf, aber definitiv um sechs. Manchmal auch alles zusammen. Es sind diese Momente, in denen ich mich sehne - nach einem persönlichen, eigenen, kuscheligen Bett nur für mich allein! Hach... Und weil es mir öfter so geht, habe ich vor einiger Zeit eine Ode an mein Bett geschrieben und die liebe Grummelmama, hat sie netterweise in ihre Blogparade "Schlaflabor" aufgenommen.

Mein Bett und ich

Freitag, 6. März 2015

Wenn's mal wieder länger dauert

Heute komme ich mal wieder auf das Ur-Thema dieses Blogs zu sprechen: Die Entschleunigung! Wer unser 24-Stunden-Chaos gelesen hat, wird mir beipflichten, dass entsprechende Bemühungen des letzten Jahres bisher nicht wirklich erfolgreich waren. Und das, obwohl ich abends später ins Bett gehe und wirklich viel weniger Zeit damit verbringe, in die Küche zu gehen und Schokolade aus dem Schrank zu holen. Kleinen Moment, bin gleich wieder da…

Danke - Schranke!
So! Wo war ich? Ah ja, Entschleunigung. Eigentlich befindet sich das perfekte Trainingslager hier direkt um die Ecke. Es bestimmt quasi den Puls des gesamten Dorfes (den es gerne mal hochtreibt), entscheidet darüber, ob man pünktlich oder wesentlich zu spät ins Büro, zum Nähkurs oder zur eigenen Entbindung kommt. Es stiftet Ehen, sorgt dann später für heftige Krisen und vereitelt dennoch jede Scheidung, weil es niemandem eine Chance lässt, jemals rechtzeitig beim Amtsgericht anzukommen. Die Rede ist vom Bahnübergang.

Sicher ist sicher

Man kann der Deutschen Bahn ja viel vorwerfen, aber was die Sicherheitsvorkehrungen an Übergängen angeht, sind sie wirklich genau. Sehr genau! Wenn sich in Koblenz um 12:45 Uhr ein Zug in Bewegung setzt, geht die Schranke runter. Sie bleibt unten, wenn dieser Zug 40 Minuten später am hiesigen Bahnhof hält. Und sie bleibt weiterhin unten, bis dieser Zug wieder 40 Minuten später in Köln einrollt… Zumindest fühlt es sich so an.

Dann öffnet sich die Schranke, um zwei Autos aus der Schlange durchzulassen, die sich im Normalfall bis hinunter zum Rhein, mittels Fähre hinüber zur anderen Flussseite und von dort hinauf ins Bonner „Vorjebirge“ schlängelt. Bevor der Fahrer des dritten Wagens hektisch seinen Campingtisch einklappen, den tragbaren Fernseher in den Kofferraum stellen und die Reste des Drei-Gänge-Menüs entsorgen kann, dass er in der Zwischenzeit zu sich genommen hat, geht die Schranke wieder zu.

Wohnungsangebot
Da der Fahrer dieses Autos das mittlerweile genau weiß - er muss öfter hier durch - bleibt er einfach an Ort und Stelle sitzen und flambiert in Seelenruhe seine Crème brûlée zu Ende. Hin und wieder kommt es vor, dass ein gehetzter Geist in der Reihe hinter ihm unruhig wird, weil er allen Ernstes glaubt, es könnte irgendwie schneller gehen, wenn man sich beeilt. Immer mal wieder kommt es deshalb zu Handgreiflichkeiten zwischen Alteingesessenen und Zu’groasten an der Schranke.

Wenn ich aus meinem Büro-Fenster schaue und mal wieder der Polizei-Hubschrauber über dem Dorf kreist gibt es nur drei Möglichkeiten. Erstens: Onkel Günnis Vogelspinne Esmeralda ist mal wieder abgehauen. Zweitens: Gemeine Diebe haben den Opferstock der Dorfkirche geplündert. Drittens und am Wahrscheinlichsten: Es findet die dritte Massenschlägerei des Monats an der Bahnschranke statt.

Zarte Bande an der Schranke

Die örtlichen Gewerbebetriebe haben sich indes gut auf die Situation eingestellt. Das Eiscafè am Bahnhof bietet unter dem Motto „Wenn’s mal wieder länger dauert“ einen riesigen Snickers-Eisbecher für zwei Personen an. Beliebt bei Pärchen, die zarte Bande an der Schranke knüpfen, wo das Leben sie auf wundersame Weise zum gleichen Zeitpunkt hingespült hat. Sie können ja nicht wissen, dass man bei diesem Bahnübergang niemals in ZeitPUNKTEN, sondern immer in langen ZeitRÄUMEN denken muss, und ihre Begegnung weit weniger schicksalhaft war, als sie sich das in ihrer Verklärung ausmalen.

Pommes Schranke und Snickers-Eis
Die Wurstbude "Bei Dieter" eins weiter bringt die "XXL-Pommes Schranke" im Zwei-Liter-Eimer mit Cola für 3,50 direkt ans Auto. Der Frisör wirbt damit, jedem Wartenden einen Haarschnitt inklusive Pflegepackung, sowie zusätzlich eine Mani- und Pediküre verpassen zu können, bevor die Fahrt weitergeht. Sollte er es nicht schaffen, kostet es keinen Cent. Ich glaube, er hat noch nie Minus gemacht.

Vor kurzem hat auf der Straße nun auch ein Wettbüro eröffnet. Hier wetten besonders gerne die Einheimischen mit Erfahrung. Zum Beispiel auf die Uhrzeit, zu der sich die Schranke das nächste Mal heben wird, die Anzahl der Autos, die dann durchkommen oder wie lange es noch dauern wird, bis der genervte Fahrer in Wagen sieben das einzig Richtige tut: Nämlich aus der Schlange ausscheren und die Unterführung in der Parallelstraße nehmen ;-)      

In diesem Sinne: Immer mit der Ruhe :-)

Eure Nachbarin